Safe Sport
Transparenz, Prävention und Aufarbeitung - gegen Gewalt im Sport
Der Bergsportfachverband Bayern setzt sich aktiv für Safe Sport ein – ein Konzept zum Schutz aller Beteiligten vor Gewalt (sexuell, körperlich, physisch), Missbrauch, Diskriminierung, Vernachlässigung und Machtmissbrauch im Sport. Ziel ist es, ein respektvolles, wertschätzendes und sicheres Umfeld zu schaffen – der Schutz von Kindern, Jugendlichen und verletzlichen Gruppen liegt uns dabei besonders am Herzen.
Gemeinsam Verantwortung leben
Ein sicherer Sport entsteht nicht nur durch Regeln und Konzepte, sondern vor allem durch Menschen, die hinschauen, zuhören und handeln.
Prävention und Intervention darf sich nicht auf Vorfälle, Täter und Betroffene innerhalb unseres Verbandes beschränken! Die Arbeit für Enttabuisierung, Aufdeckung und den Schutz Betroffener oder gefährdeter Personen muss flächendeckend auf die gesamte Gesellschaft übertragen werden, so unsere Idealvorstellung. Prävention sexualisierter Gewalt (PsG), also jeder nicht einvernehmlichen verbalen oder körperlichen sexuellen Handlung, ist ein wichtiger Teil von Vereinsarbeit.
Hard Facts, die nachdenklich machen
- In Deutschland sind schätzungsweise ein bis zwei Kinder pro Schulklasse von sexualisierter Gewalt betroffen. Die Dunkelziffer ist hoch.
- Zwei Drittel der jungen Menschen in Deutschland haben bereits sexualisierte Gewalt in jeglicher Form (Beleidigung, Belästigung online, körperlich, etc.) erlebt, beinahe ein Drittel auch körperliche Übergriffe.
- Zwei Drittel der Übergriffe finden im sozialen Nahbereich (Familie, Freunde, Jugendverein) der Betroffenen statt.
- 90 Prozent der übergriffigen Personen sind männlich.
Sexualisierte Gewalt findet zunehmend auch im Internet statt! Die Möglichkeit der anonymen, privaten Kommunikation, des einfachen Austauschs von Daten und Bildern, erleichtert entsprechende Taten.
Körperliche Nähe, emotionales Vertrauen, Idealisierung von Vorbildfiguren und Machtgefälle zwischen den verschiedenen Beteiligten- all das ist aus dem Sport nicht wegzudenken. So entstehen jedoch besonders für Kinder auch Risikoräume, die Tätern die Möglichkeit bieten, Scham, Angst und Zugehörigkeitsbedürfnis ihrer Schutzbefohlenen auszunutzen.
Gerade junge Sporttreibende befinden sich innerhalb der Gruppe oder der Athlet:in-Trainer:in-Beziehung in einer Abhängigkeitsposition, die die Möglichkeit zu Machtmissbrauch und Einschüchterung bietet, und bedürfen deshalb besonderen Schutzes.
Zwischenmenschliche Nähe und Körperkontakt sind gut und wichtig, persönliche Grenzen zieht jeder anders. Deshalb ist es so wichtig, genau hinzuschauen, aufzuklären und zu sensibilisieren- besonders im Sportkontext!
Film: Deine Grenze- deine Entscheidung (JDAV)
Deine Grenze - Deine Entscheidung + Begleitinfo zum Film Deine Grenze - Deine Entscheidung.pdf
Vertrauensperson sein – Verantwortung gemeinsam tragen
Betroffene von Grenzverletzungen, Gewalt oder Missbrauch wenden sich selten unmittelbar an offizielle Stellen. Häufig ist es eine Person aus ihrem direkten Umfeld, der sie sich zuerst anvertrauen – eine Trainerin, ein Vereinskollege, eine ehrenamtlich Engagierte, ein Elternteil oder eine Person aus dem Freundeskreis.
Wichtig ist: Jede und jeder von uns kann zur Vertrauensperson werden.
Wenn sich jemand anvertraut – was bedeutet das?
Wenn sich eine betroffene Person an dich wendet, ist das ein großer Vertrauensbeweis. Oft gehen diesem Schritt lange Phasen des Zweifels, der Angst oder des Schweigens voraus. Es geht nicht darum, die Situation sofort zu lösen – sondern zunächst darum, zuzuhören, ernst zu nehmen und Sicherheit zu geben.
Wie gehe ich damit um, wenn ich Vertrauensperson bin?
- Ruhe bewahren und zuhören
- Ernst nehmen und stärken - signalisiere: „Ich glaube dir“ und „Es ist gut, dass du dich meldest“
- Keine Alleinverantwortung übernehmen - hole dir Unterstützung bei geeigneten Fach- oder Ansprechstellen, mache transparent, wenn du Informationen weitergeben musst, um Hilfe zu organisieren
- Vertraulichkeit wahren – Gehe sensibel mit den Informationen um
Anonyme Hinweise
Du bist betroffen von sexualisierter Gewalt, hast etwas mitbekommen oder möchtest einen Verdacht äußern? Bei uns kannst du das auch vollkommen anonym tun - wende dich dafür an unser anonymes Hinweisgeberportal. Hinweise zu grenzverletzendem Verhalten gehen bei unseren Experten ein und werden an die entsprechenden Verantwortlichen weitergeleitet, ohne dass dein Name, deine E-Mailadresse oder sonstige deiner Daten mit im Spiel sind.
Externe Beratungsstellen und Informationsangebote
- Anlaufstelle dsj/Deutscher Olympischer Sportbund (DOSB):
- Das Team PSG (Prävention sexualisierter Gewalt) der dsj ist erreichbar unter: psg@dsj.de
- www.dsj.de/themen/kinder-und-jugendschutz
- Bayerische Sportjugend / Bayerischer Landessportverband (BLSV)
- Angelika Engelhardt (Prävention sexualisierter Gewalt) ist erreichbar unter: psg@blsv.de
- PsG - BSJ
- Hilfeportal Sexueller Missbrauch: Ein Angebot des unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindermissbrauchs der Bundesregierung: www.hilfeportal-missbrauch.de
- Weißer Ring: Ist Deutschlands größte Hilfsorganisation für Opfer von Kriminalität und Gewalt
- Präventionsnetzwerk „Kein Täter werden“: www.kein-taeter-werden.de
Verhaltenskodex
Der Verhaltenskodex beschreibt verbindliche Leitlinien für unser tägliches Miteinander – insbesondere in Situationen, in denen Nähe, Verantwortung und Vertrauen eine Rolle spielen. Wir im Deutschen Alpenverein (DAV) haben uns diesen Kodex gegeben, um Klarheit zu schaffen, Orientierung zu bieten und eine Kultur des Hinschauens und Handelns zu stärken.
Der Verhaltenskodex gilt für die ehrenamtlich Tätigen und hauptberuflich Beschäftigten in JDAV und DAV. Er definiert die Grundsätze eines wertschätzenden und verantwortungsvollen Umgangs aller Beteiligten mit Schutzbefohlenen und trägt zur Schaffung gewaltfreier Räume bei.
Was können Vereine tun? – Schritt für Schritt zu mehr Sicherheit
Ein wirksamer Schutz vor (sexualisierter) Gewalt entsteht nicht über Nacht. Es braucht Haltung, Aufmerksamkeit und klare Strukturen. Entscheidend ist dabei: Vereine müssen nicht alles auf einmal umsetzen. Nachhaltiger ist es, sich Schritt für Schritt auf den Weg zu machen.
Stellt euch diesen Weg wie eine Route vor: Das Top – ein umfassendes Schutzkonzept – ist das Ziel. Doch der Aufstieg gelingt in Etappen. Jede erreichte Station stärkt Sicherheit und Handlungskompetenz im Verein.
1. Haltung entwickeln und Verantwortung klären
- Klar positionieren: Gewalt hat bei uns keinen Platz
- Verantwortung im Vorstand verankern
- Erste Ansprechperson(en) benennen
2. Sensibilisieren und qualifizieren
- Übungsleitungen, Ehrenamtliche und Mitglieder informieren und schulen à Angebote der Verbände nutzen
- Gesprächskultur fördern
3. Strukturen schaffen (Interventionsplan)
- Interne Meldewege festlegen
- Umgang mit Verdachtsfällen klären
4. Externe Unterstützung einbinden
- Externe Expertise nutzen z.B. des Bergsportfachverband Bayern (BFB) oder der Jugend des Deutschen Alpenverein (JDAV)
- Netzwerke pflegen
5. Schutzkonzept verankern
- Regelmäßig überprüfen und weiterentwickeln
Wichtig ist: Jeder Schritt zählt.
Es geht nicht um Perfektion, sondern um den kontinuierlichen Weg. Jeder Verein kann dort starten, wo er steht – mit den Ressourcen, die verfügbar sind.
Als Verband begleiten wir diesen Prozess – strukturiert, praxisnah und im Austausch miteinander. Denn wie beim Klettern gilt auch hier: Gemeinsam auf dem Weg zur Spitze.


